Schweißen: Ein paar lehrreiche Tipps, wie du zum perfekten Ergebnis gelangst!

Stahl ist ein wunderbares Material, um damit als Heimwerker zu arbeiten. Natürlich kannst du ihn verschrauben und damit unheimlich viele Dinge erschaffen. Aber wenn du wirklich in die höheren Gänge der Kreativität schalten möchtest, dann ist Schweißen genau dein Ding. Damit wirst du zum echten „Eisenmann“ und kannst dir zwischen Fenstergittern und Terrassendach wirklich alles selbst herstellen und das in einer Qualität, die du mit Schrauben niemals erreichen würdest. Wir zeigen dir jetzt, was du brauchst.

1. Die Werkzeuge

Schweißen ist mehr, als nur das nackte Gerät zu besitzen. Du brauchst einen Grundstock an dazugehörigen Werkzeugen. Die gute Nachricht: Das alles davon kaufst du nur einmal, denn es gibt hier nur sehr wenige Verbrauchsmaterialien, die den Geldbeutel langfristig belasten.

Schweißgerät

Natürlich, zum Schweißen brauchst du ein Schweißgerät, ziemlich logisch. Aber welches denn? Immerhin kennt die Branche ja diverse Techniken zwischen Elektrodenschweißen und Exotischerem wie Wolfram-Inertgas…

Für den Anfang bist du am besten mit einem ganz normalen 230-Volt Elektrodenschweißgerät bedient. Das hat den Vorteil, dass du hier schon für geringe dreistellige Beträge Geräte findest, ohne dass du in dem, was diese Geräte leisten können, auf irgendetwas verzichten müsstest. Im Gegenteil, hier musst du nur die Spannung einstellen – wo du bei anderen Geräten noch zusätzlich Drahtvorschub und Gasdruck regulieren müsstest. Dadurch gelingt dir ein schnellerer Einstieg, zu dem noch hinzukommt, dass die dazu nötigen Techniken sich nicht grundlegend von denen anderer Geräte unterscheiden. Vielleicht werden deine ersten Elektro-Ergebnisse nicht schön sein. Aber sie werden wenigstens halten.

Kaufe dir bei gleicher Gelegenheit gleich eine große Packung Schweißelektroden – du wirst am Anfang beim Üben sehr viele davon verbrauchen. Wir empfehlen Typ R bzw. RR (Rutil). Das sind Universalelektroden, die für die meisten Schweißtechniken und einfache Stähle ideal sind. Kaufe je eine Packung mit 2 und 2,5mm Durchmesser. Damit deckst zu du zu schweißende Materialstärken zwischen 1,5 und 6 Millimetern ab.

Schweißschild

Elektroschweißen erzeugt einen enorm hellen Lichtbogen, der viel UV-Strahlung aussendet. Der ist so hell, dass deine Augen, würdest du ungeschützt hineinschauen, tatsächlich einen Sonnenbrand bekämen – der Handwerker nennt das „Augen verblitzt“, der Doktor „Keratoconjunctivitis photoelectrica“ und es ist ein echt ekliges Gefühl, weil es sich so anfühlt, als hättest du in jedem Auge eine Handvoll groben Sand.

Abgeschreckt? Sehr gut, dann verstehst du auch, warum du einen Schweißschild brauchst. Bei vielen Elektroschweißgeräten gehört ein ganz einfacher, den du mit der Hand vors Gesicht halten musst, dazu. Das ist für den Anfang schon mal genug. Allerdings empfehlen wir dir, auf einen automatischen Schweißhelm upzugraden. Den trägst du fest auf dem Kopf, hast beide Hände frei und kannst das Werkstück fast ohne Tönung sehen. Sobald dein Lichtbogen zündet, schaltet der Helm automatisch auf Verdunkelung und hört direkt nach dem Schweißen damit auf – unheimlich komfortabel und mittlerweile auch in annehmbaren Preisregionen unter 100 Euro angelangt

 

Flex

Das Elektrodenschweißgerät ist ein kleiner Grobian – den schert es nur wenig, ob das Werkstück rostig oder lackiert ist, irgendwie bekommt man immer Kontakt und der Lichtbogen zündet. Allerdings ist das nicht die feine englische Schweißart. Um die zu erlangen, solltest du dein Werkstück dort, wo geschweißt wird, zuvor grundsätzlich anständig blank machen. Das geht mit der guten alten und in unzähligen Varianten vorhandenen Flex oder, etwas feiner, Winkelschleifer.

Du brauchst ein Gerät mit 125mm Scheibendurchmesser, die kann man auch noch komfortabel mit einer Hand bedienen. Und für die Metallbearbeitung benötigst du folgendes:

  • Feine Trennscheiben fürs Durchschneiden/Kürzen usw.
  • Grobe Schruppschreiben, um deine Schweißnaht zu glätten
  • Feinere Fächerscheiben, um vorher das Metall zu säubern und nach der Schruppscheibe die Riefen zu entfernen

Sehr cool für unebene Werkstücke sind sogenannte Reinigungsscheiben, allerdings verbrauchen die sich relativ schnell. Wenn du mehr schweißen willst, empfehlen wir dir ersatzweise eine Drahtbürstenscheibe

 

Schlackenhammer

Elektrodenschweißen überzieht die Schweißnaht mit einer Schlackenschicht aus der geschmolzenen Umhüllung der Schweißelektroden. Sehr wichtig, damit die Schmelze nicht mit der Umgebungsluft und ihren oxidierenden Eigenschaften in Kontakt kommt. Doch um eine Schweißnaht kontrollieren zu können, muss nach dem Abhärten die Schlacke weg. Das geht mit dem Schlackenhammer und seiner feinen Spitze.

Schutz

Beim Elektroschweißen sprechen wir von Temperaturen von über 4000°C an der Oberfläche. Das ist definitiv nichts, dem du allzu nahekommen möchtest. Neben dem Schweißschild/-helm solltest du also auch noch weitere Dinge besorgen:

  • Eine lederne Schweißerschürze. Die schützt die gesamte Vorderseite deines Körpers vor Funkenflug
  • Bis zum Ellbogen reichende Schweißerhandschuhe
  • Taugliche Sicherheitsschuhe. Am besten Stiefel. Denn wenn dir beim Schweißen eine „Schweißlaus“ (ein geschmolzener Tropfen Metall) auf normale Schuhe tropft, geht der „Schweißer-Rumba“ los und du tanzt schmerzverzerrt durch die Werkstatt.

Wichtig: Trage all diese Sachen immer – auch bei typischen „nur mal schnell…“-Arbeiten. Auch der kleinste Schweißpunkt kann dich schon ziemlich verletzen.

2. Los geht’s

Die Ausrüstung liegt bereit und jetzt willst du natürlich loslegen. Kein Problem, wir zeigen dir jetzt, wie es geht.

Material

Sofern du wirklich noch gar keine Schweißerfahrung hast, empfehlen wir dir dringend, dich nicht gleich an ein echtes Projekt zu begeben, sondern einfach irgendwelche Schweißverbindungen herzustellen. Dazu kannst du alte Bleche nehmen, stählerne Gewindestäbe, dünne Moniereisen – es muss nicht viel kosten, teilweise kannst du deine Übungsmaterialien auch beim Schrotthändler für sehr kleines Geld bekommen. Für den Anfang reichen dir irgendwelche Bleche zwischen 1,5 und 6 Millimetern Stärke. Schneide dir davon mit der Trennscheibe einfach einen ganzen Berg 100x100mm großer Quadrate zurecht.

Die Positionen

Du glaubst, beim Schweißen hält man einfach die Elektrode aufs Metall und zieht? Falsch. Je nachdem, in welchem Winkel die zu verschweißenden Materialien zueinanderstehen, musst du anders vorgehen. Das Ganze nennt sich Schweißposition und wir empfehlen dir, dir für die wichtigsten davon Skizzen anzufertigen und irgendwo in deinem Blickfeld zu befestigen. Versuch es für den Anfang mal mit einer normalen PA-Position. Also zwei plan nebeneinanderliegenden Blechen.

Die Einstellung

Bevor es jetzt endgültig losgeht, solltest du dich zum einen noch mit der richtigen Haltung der Elektrode befassen – es ist wichtig, dass du über die gesamte Naht einen konstanten Winkel einhältst, sonst wird die Naht ungleichmäßig. Zum anderen musst du nun die Stromstärke deines Schweißgerätes dem Elektrodendurchmesser und deiner Materialstärke anpassen. Für die Elektroden, die du nach unserer Anleitung gekauft hast, bedeutet das:

  • 2mm:                   60-80 Ampere
  • 2,5mm:                75-100 Ampere

Fang dabei immer beim unteren Wert an und prüfe beim Schweißstück, ob das ausreicht (das ist eine echte Gefühlssache). Wenn du Löcher ins Material brennst, ist die Stromstärke zu hoch.

Und dann schweiß einfach mal für eine gewisse Zeit. Nichts anderes wird auch in den professionellen Schweißerkursen gelehrt. Achte bitte nur die ganze Zeit darauf, dass dein Arbeitsplatz gut belüftet ist. Falls du nur in der Werkstatt schweißen kannst, stelle einen Ventilator in einiger Entfernung auf und lass ihn auf niedriger Stufe den Schweißrauch in Richtung Ausgang blasen.

 

 

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